Konferenzreport (Kurzfassung)

School Bullying and Violence: The Role of Media

Internationale Onlinekonferenz, 15. Mai – 9. Juni 2006

Inhalt

In diesem Kurzreport über die Onlinekonferenz “Bullying and Violence: the Role of Media” finden Sie eine kurze Beschreibung der Konferenz und einige Hintergrundinformationen, darauf folgt eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Ergebnisse. Detailliertere Informationen zu der Konferenz, ihren Ablauf und ausführlichere Ergebnisse finden Sie im vollständigen (englischsprachigen) Bericht.

Die Onlinekonferenz – einige Hintergrundinformationen

Die Onlinekonferenz “ Bullying and Violence: the Role of Media” war die vierte von insgesamt fünf Onlinekonferenzen im Rahmen des Projektes VISIONARIES-NET. Einen Überblick über das Projekt VISIONARIES-NET und Informationen über die anderen Onlinekonferenzen finden Sie unter www.bullying-in-school.info

Zur Zielgruppe der Onlinekonferenz gehörten Journalisten, Entscheidungsträger in den Medien, Wissenschaftler, Vertreter von NGOs oder pädagogischen Instituten, besondere Gäste, etc. Eine vollständige Teilnehmerliste kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: participants

Das Hauptziel aller fünf Konferenzen war es, Experten aus dem Bereich Bullying aus der ganzen Welt zusammenzubringen und mit Hilfe des Internets miteinander zu vernetzen um somit auch räumlich weit voneinander entfernten Personen die Möglichkeit zu geben, sich untereinander auszutauschen und voneinander zu lernen.
Bei der Konferenz “School Bullying and Violence: the Role of Media” ging es darum die Teilnehmer aus verschiedenen europäischen Ländern zusammenzubringen, um das Thema zu diskutieren, wie Medien über Gewalt und Bullying in der Schule (SBV) berichten. Es wurden Fragen wie Welche Rolle nehmen die Medien bei SBV ein? Wie können sich die Medien an Präventionsmaßnahmen beteiligen? Wie beeinflussen die Medien die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen? Can media be a vector of safety feeling about SBV? diskutiert.
Die Teilnehmer hatten so die Möglichkeit andere Menschen, die sich mit diesem Themengebiet befassen, kennen zu lernen, andere Ansätze aus allen Teilen der Welt zu sehen und von Gleichgesinnten zu lernen und zu profitieren, außerdem konnten sich so Netzwerke mit und zwischen den Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen entwickeln.

Konzept und Methodik der Konferenz

Die Konferenz bestand aus einem asynchronen Forum, auf welches nur die geladenen Teilnehmer Zugriff hatten. Das Forum war für vier Wochen rund um die Uhr geöffnet, so dass  sich die Teilnehmer aus der ganzen Welt an der Diskussion beteiligen konnten, wenn sie die Zeit hatten.

Da die Teilnehmenden Experten für das von der Konferenz behandelte Gebiet sind, wurden sie in die Auswahl der Themen aktiv mit einbezogen. Die Moderatoren befragten die Teilnehmer über die 4 Themen der Woche und aus der Analyse der Antworten wurden in verschiedenen Threads Eröffnungsbeiträge zur Diskussion erstellt. Dort hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit noch mal über die Antworten, die sie oder ihre Kollegen zu den Eröffnungsimpulsen gegeben hatten zu reflektieren und die Diskussion auf dieser Basis voranzutreiben. Dieser Mehrebenenprozess ähnelt den so genannten Delphi – Ansatz, der zur Strukturierung neuer Forschungsgebiete mit Hilfe einer Expertengruppe genutzt wird.

Jede Woche wurde ein Hauptthema bearbeitet, dass sich in 3-4 Unterthemen aufschlüsselte. Diese Inhalte wurden dann in zahlreichen Threads bearbeitet. Diese Themen wurden nicht – wie anfangs geplant – genau am Ende der Woche geschlossen, sondern meistens länger offen gehalten, um interessante Aspekte der Diskussion nicht zu unterbrechen. Die Ergebnisse dieser Beiträge wurden in regelmäßigen Zeitabständen zusammengefasst und  den Beteiligten präsentiert.

Die Information über Öffnung und Schließung von Threads wurde über einen täglichen Newsletter organisiert. In einem Off-Topic Bereich konnten die Teilnehmer über Themen diskutieren, die zwar im weiteren Sinne mit dem Thema der Konferenz zusammenhingen, aber nicht zu den Fragestellungen in den jeweiligen Hauptdiskussionen passten.

Die Hauptergebnisse der Konferenz

Thema 1: Medienberichterstattung über Bullying und Gewalt in der Schule (SBV)

Informationsquellen über SBV


Fragebogen:

Für Journalisten: Wie sammeln Journalisten Informationen, wenn sie sich entscheiden über SBV zu berichten? Wo suchen sie nach Informationen über SBV?
Für die übrigen Teilnehmer: Was wurden Sie von den Journalisten gefragt, wenn sie über das Thema SBV Auskunft geben sollten? Was sollte ihrer Meinung nach zu dem Thema veröffentlicht werden, dass bisher nicht veröffentlicht wurde und warum?

  • Als Quellen identifizierten die Teilnehmer Schulen, Statistiken über Bullying, Opfer, Eltern, Schüler, die Polizei und relevante Amtsträger. Die Informationen die im Regelfall von Journalisten erfragt wurden, waren Details über das Opfer (Name, persönliche Information, wie die Adresse, Bilder, etc.)und Fakten, wer trägt die Verantwortung und gibt es und wenn ja welche Strafe.
  • Bezüglich der medialen Darstellung der Opfer wurden folgende Ideen gesammelt: die Opfer sollten ihre Perspektive schildern; Opfer die Interviews geben oder in Talk Shows auftreten sollten stark genug sein, um mit den Medien umzugehen, mit dem Druck und der Bloßstellung klar zu kommen; Opfer die sich von den Medien inszenieren lassen, sollten Personen sein, die eine Botschaft vermitteln können; Die Opfer sollten sich ihrer Rechte und den Risiken im Umgang mit den Medien bewusst sein.

Die Berichterstattung über Bullying und Gewalt an der Schule

Fragebogen:

- Wie wird SBV von den Medien in Ihrem Land dargestellt?
- Was denken Sie ist das beste Maß zwischen zu vielen Nachrichten und keinen Nachrichten  über das Thema?
- Wie sollte Ihrer Meinung nach die Berichterstattung zu SBV aussehen und warum?

  • Es sind immer Nachrichten über Gewalt an Schulen und schlimmen Vorfällen in den Medien, aber die tiefere Analyse dieser Vorgänge ist selten.
  • Die Medien müssen der Öffentlichkeit Informationen anbieten, die verifiziert und neutral sind und eine weite Perspektive ermöglichen.
  • Die Rolle der Medien ist zu informieren, nicht Anschuldigungen vorzubringen oder Lösungen zu finden.
  • In vielen Staaten wird Gewalt und Bullying an der Schule in Form von Einzelfällen verarbeitet. SBV gehört nicht zu den üblichen Themen für die Medien.
  • Ein Übermaß Berichterstattung über SBV ist genauso schlecht wie das Fehlen von Berichterstattung, weil sonst die Öffentlichkeit das Interesse an dem Thema verlieren könnte. Trotzdem ist es wichtig, dass viel Berichterstattung über das Thema gemacht wird, um zu verdeutlichen, dass SBV ein aktuelles Problem ist und der Berichterstattung eine alarmierende Wirkung zukommen kann.
  • Es wurden einige Präventivmaßnahmen vorgeschlagen, beispielsweise die Ausbildung von Lehrern zu dem Thema.

Definitionen von SBV

Es gibt vier Faktoren, die zur Entwicklung von Verhaltensweisen wie Bullying, Mobbing oder Gewalt an der Schule beitragen: 1) eine negative Lebenseinstellung des Erziehungsberechtigten; 2)  Tolerierung von aggressivem Verhalten des Kindes; 3) Eltern, die ihr Kind mit Hilfe von Autorität und Gewalt erziehen; 4) Eine natürliche Veranlagung des Kindes zu Arroganz. Nach den Aussagen desselben Autors sind die meisten Täter Jungen, aber auch Mädchen können Täter sein. Weiblichen Täter nutzen manchmal indirekte Methoden wie Gerede, Manipulation von Dritten, Lügen oder Ausschluss aus der Gruppe (Smith; Sharp, 1994).

SBV wird definiert als jedwedes sprachliches oder  körperliches Vorgehen mit dem Ziel die Würde und den Stolz einer Person zu verletzten, zu untergraben, sie zu beleidigen oder zu verunglimpfen. Dazu zählen Verhaltensweisen wie Spitznamen erfinden, sich lustig machen, Gerüchte in die Welt setzten, Belästigung, sowie Gegenstände gegen den Willen des Besitzers gewaltsam zu entwenden und physische Gewalt.

Alle Formen von Misshandlung (emotional, sexuell, physisch, etc.) unterhalb der an Schulen beteiligten Personenkreise (Schüler vs. Schüler, Erwachsene vs. Schüler, Schüler vs. Erwachsene, usw.)

Bullying ist die psychische oder physische Machtausübung einer (oder mehrerer) Person(en) gegenüber einer (oder mehreren) Person(en).

Thema 2: Wie geht man mit den Medien um?

Die Rechtslage und die Risiken im Umgang mit den Medien

Fragebogen:

-    Mit welcher Berechtigung werden die Opfer in den Medien gezeigt und wo liegen die Risiken dieser Vorgehensweise?
-    Wann sollten Ihrer Meinung nach ein Opfer in den Medien dargestellt werden und wann nicht?
-    Wer sollte den Opfern beratend zur Seite stehen?

  • Die Identität der Kinder und Jugendlichen sollte von den Medien geschützt werden.
  • Journalisten sollten die Namen von Opfern von Gewalttaten nicht veröffentlichen. Das Opfer sollte selbst entscheiden dürfen, ob seine Geschichte an die Öffentlichkeit getragen werden soll oder nicht.
  • Es sollte Beratungsstellen für Opfer geben, damit sie unterstützt werden, wenn sie ihre Geschichte erzählen wollen, aber auch damit sie über die Rechtslage und die Risiken medialer Öffentlichkeit informiert sind.
  • Täter tauchen in der Berichterstattung nicht auf.
  • Die Medien und die Eltern nehmen eine wichtige Rolle in der Erziehung sowohl der Opfer als auch der Öffentlichkeit ein.
  • Eltern stehen nicht immer hinter ihren Kindern.
  • Lehrer sollten eingreifen und die Kinder beschützten.

Medienkompetenz

Fragebogen:

-    Was sind die grundlegenden Medienkompetenzen, die man im Umgang mit SBV haben sollte?
-    Wie kann man diese Medienkompetenzen weitergeben?
-    Wie kann man seine Medienkompetenz schulen?

  • Die Medien sollten faktenbasiertes Wissen vermitteln. Statistiken, Fakten und Studien liefern wertvolle und nützliche Informationen, die nicht nur für die Journalisten, sondern auch für die Öffentlichkeit interessant sind.
  • Die Zeugenaussagen und Berichte der Opfer sind sehr wichtig. Außerdem wurde festgestellt, dass Artikel oder Nachrichten, die beide Seiten einer Geschichte zeigen, als vertrauenswürdiger eingestuft werden, als einseitige Berichterstattung.
  • Das Verständnis der Berichterstattung variiert mit der Zielgruppe, die angesprochen werden soll, deshalb sollte die Botschaft immer auf die Zielgruppe zugeschnitten sein
  • Opfer müssen sich eingestehen, dass es andere in ähnlichen Situationen gibt und dass es Lösungen für das Problem SBV gibt.

Thema 3: Ziele und Effekte von Massenmedien

Effekte der Medienberichterstattung

Die Diskussion erwuchs daraus, dass Medien über weit mehr als nur Nachrichten berichten. So wurden in de letzten Jahren in vielen Ländern Untersuchungen zur Gewaltdarstellung in Fernsehprogrammen durchgeführt. Dieselben Untersuchungen fanden auch heraus, dass die Gewalt im Fernsehen Gewalt im täglichen Leben fördert.
Darauf aufbauend gehörten zum Fragebogen folgende Fragen:
-    Stimmen Sie dieser Meinung zu oder nicht?
-    Kann Gewalt in den Medien gewalttätiges Verhalten fördern oder aktivieren? -    Was denken sie kann dagegen unternommen werden und wer sollte etwas unternehmen?

  • Eltern nehmen eine zentrale Rolle in der Medienerziehung ihrer Kinder ein und sollten darauf achten, was ihre Kinder sehen und was nicht.
  • In Frankreich wurde im Jahre 2002 die Studie "Evaluation of the sociological, psychological effects and esthetics of the inflation of violence to television " veröffentlicht. Es war die erste (und letzte) Studie zu diesem Thema in Frankreich. In der Studie heißt es, dass gewalttätige Inhalte im Fernsehen einen Netzwerkeffekt auslösen und das Verhalten von jungen Leuten beeinflussen können. Außerdem hänge Frankreich mit der Implementierung von Regulativen zur Verhinderung von Gewaltentwicklung hinter seinen europäischen Nachbarn zurück.
  • Die Studien unterscheiden sich stark in ihren Aussagen, inwieweit TV-Programme Gewalt beeinflussen können. Deshalb spiegeln die Studien eigentlich die Wesensart einer Gesellschaft zu dem Untersuchten Zeitrum wider.
  • Eine Untersuchung zum Gewaltverhalten unter Fernseheinfluss zeigte, dass Gewaltverhalten nach dem Fernsehen um 70% anstieg, und dass vor allem bei gewaltbereiten Personen der Einfluss des Fernsehens als relevant zu erachten ist.

Die Rezipientenkompetenz des Publikums

  • In der Massenkommunikation gibt es eine Theorie, die besagt, dass das Publikum Medienkompetenz besitzt und die Medien benutzt um bestimmte Informationen zu erhalten. Die Theorie beschreibt, dass die Mitglieder der Zielgruppe ihre Informationsbedürfnisse kennen, sich Medien selektiv auswählen und ihre Bedürfnisse entsprechend befriedigen.
  • Die Medien können Wünsche erschaffen und das Publikum formen.
  • Um eine Gruppe zu erreichen sollte man zuerst untersuchen, welches Medium in der Zielgruppe die größte Reichweite hat und sich dieses Mediums zu bedienen. Andere Medien sollen deshalb nicht vernachlässigt werden, aber der Fokus sollte darauf liegen, die größtmögliche Zahl an Menschen zu erreichen. 
  • Bevor man das Medium auswählt muss die Botschaft klar definiert werden.

Thema 4: Methoden im Umgang mit den Medien

Zusammenarbeit mit den Medien

  • Ein zentrales Anliegen ist es ein Bewusstsein zu schaffen, um die Regierungen auf das Problem SBV aufmerksam zu machen und notwendige Gesetzgebungsprozesse zu initiieren.
  • Die Medien haben die wichtige Aufgabe die Tatsachen darzustellen. Die Erziehungsberechtigten müssen dann die Botschaften, die sie als sinnvoll erachten, weitergeben.
  • Es gibt verschiedene Formen von Medienreaktionen. In Ländern wie Moldawien ist  SBV kein Thema, wahrscheinlich weil häusliche Gewalt dort noch so weit verbreitet ist, dass damit verwandte Themen immer noch als tabu angesehen werden.
  • Die britischen Medien versuchen verbissen die Homophobie in Schulen zu ignorieren.
  • In Norwegen war beispielsweise der mediale Druck auf  SBV enorm und Wissenschaftler glauben, dass die mediale Aufmerksamkeit zu sinkenden Opferzahlen beigetragen hat. Trotzdem, als die Medien weniger berichteten, war die Kontrolle über SBV wieder verloren.

Methodenauflistung

  • Es wurde vereinbart, dass Journalisten nur auf Grundlage von Fakten und Informationen kontaktiert werden sollten. Sonst könnten Missverständnisse auftreten, egal wie gut die Absichten auch gewesen sein mögen.
  • Eine wichtige Frage wurde diskutiert: „Was passiert, wenn die Medien die Privatsphäre des Opfers nicht respektieren?“ Die folgenden Ansätze wurden gesammelt:
    -    In Norwegen kann man sich unter folgendem Link über Journalisten beschweren, die ihr Versprechen über die Anonymisierung gebrochen haben: www.presse.no/np.asp
    -    Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, damit dies nicht vorkommt
  • Ein Ansatz einer niederländischen Anti-Bullying-Orgnisation lautet:
    • Kinder positives Denken über sich selbst  und andere zu vermitteln – Die Methode baut auf gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger Hilfe auf.
    • Kinder durch physisches und psychisches Training weniger verletzlich zu machen
    • Zusammen mit Schülern Verhaltensregeln aufstellen.

  • Die Rolle der Medien ist, sowohl um SBV vorzubeugen, als auch um darauf zu reagieren, nicht zu unterschätzen. Deshalb wurde ein norwegisches Modell vorgestellt, in dem bekannte Fernsehkomödianten den Schülern einen Vortrag über den Unterschied zwischen „Humor und Bullying“ halten.
  • Es gibt zahlreiche Bildungsangebote, die den Umgang mit den Medien schulen und so den Kindern helfen mit der Gewalt, die in den Medien dargestellt wird umzugehen.
















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