Konferenzreport (Kurzfassung)

Coping with school bullying and violence at the local/regional level

Internationale Onlinekonferenz über Bullying und Gewalt in der Schule für Personen, die auf der kommunalen / regionalen Ebene tätig sind, 24. Oktober – 18. November 2005

Zum Inhalt

In diesem Kurzreport über die Onlinekonferenz ‘Coping with school bullying and violence at the local/regional level’ finden Sie eine kurze Beschreibung über den Ablauf der Onlinekonferenz und ihren Hintergrund. Danach werden die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt und kurz diskutiert. Detailliertere Informationen finden Sie im (englischsprachigen) Gesamtbericht.

Über die Onlinekonferenz

Die Onlinekonferenz ‘Coping with school bullying and violence at the local/regional level’ war die zweite von fünf Onlinekonferenzen im Rahmen des Projekts VISIONARIES-NET. Einen Überblick über die anderen Konferenzen und weitere Informationen über das Projekt VISONARIES-NET finden Sie hier.

Die Zielgruppe der Konferenz waren Repräsentanten von lokalen oder regionalen Institutionen, die sich mit Bullying in Schulen beschäftigen. Eine Liste aller Teilnehmer und Moderatoren, sowie weitere Informationen über deren Hintergrund finden Sie unter conference2.bullying-in-school.info/content/participants.html.

Das Hauptziel aller fünf Onlinekonferenzen war es, Experten zum Thema Bullying und Gewalt in der Schule (SBV) mithilfe des Internets zusammenzubringen und so diese Experten aus aller Welt miteinander zu vernetzen.
Das spezielle Ziel der Konferenz ‘Coping with school bullying and violence at the local/regional level’ war es, regionale Vertreter zusammenzubringen und Fragen mit ihnen zu diskutieren wie: Welche Rolle sollten Kommunalbehörden und nichtstaatliche Organisationen bei der Bekämpfung von SBV spielen? What kind of local actions to set up to deal with SBV authorities/NGO? Welche Erwartungen gibt es der nationalen Ebene, welche auf der internationalen Ebene?

Auf diesem Weg, wurde es den Teilnehmern ermöglicht, andere Experten aus aller Welt zu treffen und mehr über deren Ideen und Herangehensweisen herauszufinden. Sie konnten voneinander lernen und von der Arbeitsweise anderer Profitieren, die sich zwar in anderen Ländern und Kulturen bewegen, jedoch mit den gleichen Problemen zu tun haben.
Die Onlinekonferenzen ermöglichen ein Vernetzen von Personengruppen, die im richtigen Leben kaum die Möglichkeit hätten sich zu treffen und untereinander auszutauschen.

Konzept und Vorgehensweise

Die Konferenz erfolgte über ein asynchrones Forum, zu dem nur die eingeladenen Teilnehmer Zugriff hatten. Dieses Forum war für 4 Wochen lang 24 Stunden pro Tag zugänglich, so dass die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt sich jederzeit in die Diskussion einbringen konnten.
Da die Teilnehmer als die wahren Experten betrachtet werden, wenn es darum geht wie man mithilfe des Internets gegen Bullying und Gewalt in der Schule vorgehen kann, wurden diese bei der Auswahl der zur Diskussion gestellten Themen mit einbezogen. Sie erhielten einen kurzen Fragebogen mit Fragen zu den vorab festgelegten Themen der Woche. Die Antworten der Experten wurden daraufhin inhaltsanalytisch ausgewertet und dienten als Anfangspunkte bei der Formulierung der Diskussionsfragen in den einzelnen Threads zu den jeweiligen Themen der Woche.
Innerhalb dieser Diskussionsthreads konnten die Experten nochmals über ihre eigenen Antworten und die ihrer Kollegen reflektieren und darauf aufbauend weiter diskutieren.
Dieser mehrstufige Prozess kann als eine Variante der so genannten Delphi-Methode betrachtet werden, die immer dann bevorzugt eingesetzt wird, wenn es darum geht noch unerforschte Fragestellungen mithilfe einer Expertengruppe anzugehen.

Für jede Woche war ein eigenes “Thema der Woche” vorgesehen, mit jeweils 3-4 Unterthemen, die in separaten Threads zur Diskussion gestellt wurden. Diese Threads wurden allerdings nicht – wie ursprünglich geplant – am Ende der jeweiligen Woche geschlossen, sondern bei reger Beteiligung 1-2 Tage länger offen gelassen, um keine interessanten Diskussion abrupt abzubrechen. In einem Off-Topic Bereich konnten die Teilnehmer über Themen diskutieren, die zwar im weiteren Sinne mit dem Thema der Konferenz zusammenhingen, aber nicht zu den Fragestellungen in den jeweiligen Hauptdiskussionen passten.

Die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz in Kürze

Thema 1: Die Einbeziehung von Kommunalbehörden bei der Prävention von SBV

Delphi Befragung

  • Eine große Anzahl an kommunalen Einrichtungen sollte auf verschiedenen Ebenen in die Bekämpfung von SBV miteinbezogen werden. Nicht nur Schüler und deren Eltern und Lehrer sollten involviert werden, sondern auch die entsprechenden Städte und Gemeinden, die örtliche Polizei, Mediatoren, Sozialarbeiter etc.
  • Diese Akteure sollen aufeinander abgestimmt zusammenarbeiten. So haben beispielsweise Schulen weder Zeit noch die entsprechenden Ressourcen um das Problem auf der Ebene einer ganzen Schule anzugehen. Hier könnten kommunale Einrichtungen und andere Akteure eingreifen, die die Möglichkeit haben, die Schulen hierbei zu unterstützen.
  • Es gibt verschiedene Instrumente und Informationsquellen, die eingesetzt werden können um SBV zu diagnostizieren. Einige dieser Instrumente erfassen auch zusätzliche Informationen wie zum Beispiel Copingstile, Umgang mit Ärger und Selbstkonzept. Es gibt sowohl (anonyme) Fragebögen als auch Interviews, die währen der Schulzeit eingesetzt werden, allerdings in Abwesenheit des Lehrers.

Ist SBV eine lokale Kompetenz?

  • Es ist erforderlich, auf regionaler Ebene zu agieren, da SBV immer auch das Problem einer speziellen Schulgemeinde ist. Solche Schulgemeinschaften sind auch innerhalb eines Landes nicht homogen und erfordern eigene, auf sie zugeschnittene Lösungen.
  • Trotzdem ist es wichtig, weiterhin global zu denken, d.h. Regierungen müssen “von oben” Präventionen anordnen. Auf der einen Seite muss also die Aufmerksamkeit und das Engagement von Regierungen erweckt werden, auf der anderen Seite müssen lokal spezifische Präventionsstrategien ausgearbeitet werden.
  • Lokale pädagogische Projekte sind vor allem dann erfolgreich, wenn dabei eng mit lokalen und kommunalen Organisationen zusammengearbeitet wird.

Die unterschiedlichen Partner auf lokaler Ebene bei der Bekämpfung von SBV

  • Es wird unterschieden zwischen Akteuren innerhalb und außerhalb einer bestimmten Schule.
  • Partner können beispielsweise sein: regionale Politiker, die schulische Gemeinschaft als Ganzes, Vereine und Verbände, die Zivilgesellschaft, Familien etc.
  • Die Zuständigkeiten einzelner Partner sind oft schwer zu bestimmen. Dieses Problem wirkt sich oft negativ auf die Effektivität eines Programms aus.
  • Aufgaben kommunaler Behörden können z.B. sein: auf das Problem aufmerksam machen, Überzeugungsarbeit leisten, weitere Kooperationen und Finanzierungen anregen etc.

Wie kommen kommunale Behörden zu einer Diagnose?

  • Um eine Diagnose zu erhalten sind Polizeiberichte und Berichte von Lehrern keine ausreichend zuverlässigen Quellen. Studien zeichnen ein zuverlässigeres und genaueres Bild der Realität.
  • Studien sind nicht nur eine Quelle für Statistiken, sie haben auch andere Funktionen, sie haben beispielsweise positive Einflüsse auf die Motivation und auf die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit. Leider sind Studien oft sehr teuer.
  • Es gibt verschiedene Arten von Studien, z.B. Berichte von Erwachsenen, Selbstberichte von Schülern, Peer-Berichte, direkte Beobachtungen, Interviews, Fallberichte etc.

In welchem Ausmaß gibt es bereits lokale Arbeitsgemeinschaften gegen SBV?

  • Das Ausmaß in dem solche Partnerschaften bereits existieren ist von Land zu Land. In einigen Ländern sind sie obligatorisch, in anderen wiederum kaum vorhanden. In einigen Ländern scheinen die Prozesse während derer solche Arbeitsgemeinschaften geformt wurden relativ ähnlich vonstatten gegangen zu sein. Erst nach einigen sehr extremen Vorfällen in Schulen entstanden breitere öffentliche Diskussionen woraufhin Anti-Bullying Programme in Gang gesetzt wurden.
  • Selbst wenn es schon Zusammenarbeit gibt, so gibt es oft Schwierigkeiten bei der Umsetzung eines theoretischen Konzepts in die Praxis. Auch leiden die Kooperationen oft darunter, dass einige Partner weniger Bereitschaft zeigen sich einzubringen.

Thema 2 und 3: Aktionen gegen SBV

Keine Delphi - Befragungen

Trainings über SBV

  • Trainings können entweder auf eine spezielle Zielgruppe (Eltern, Lehrer oder Schüler) zugeschnitten sein, oder aber sich an ein breites Publikum bestehend aus verschiedenen Zielgruppen richten. 
  • Trainings können unterschiedliche Ziele haben, wie z.B.: Personen dazu zu bringen, sich mit der Thematik von SBV auseinanderzusetzen; Verschiedene Arten von SBV zu identifizieren und Aufmerksamkeit zu erzeugen; Quellen und Folgen von SBV zu entdecken; die Verhaltensweisen von Tätern, Opfern und Bystandern zu untersuchen; eigene Erfahrungen und Copingansätze zu reflektieren und mit anderen zu diskutieren; oder verschiedene Interventionsansätze zu untersuchen.

Schulische Mediation

  • Schulische Mediation hat zum Ziel, einen Konflikt zwischen zwei Personen innerhalb einer Schule zu reduzieren oder aufzulösen. Mediation hilft beiden Seiten, die Situation zu verdeutlichen und über gegenseitige Zustimmungen Lösungen zu finden, die beide Seiten zufrieden stellen.
  • Mediation basiert auf einer freiwilligen Zustimmung der Beteiligten, der Mediator ist grundsätzlich unparteiisch und behandelt Informationen vertraulich.
  • Es wurde debattiert über die Frage, ob Mediation disziplinarische Maßnahmen in Form von Strafen ersetzen kann und soll oder nicht.
  • Mediatoren sind in der Regel Experten, dies muss jedoch nicht so sein, wie im Fall der peer mediation.

Videoüberwachung in Schulen: ja oder nein?

  • Die Frage ob Schulen und deren nähere Umgebung videoüberwacht werden sollen ist ein sensibles Thema.
  • Videoüberwachung kann höchstens Teil einer anderen Lösung sein, als eigenständige Lösung kommt dieses Vorgehen nicht in Frage. 
  • Es gibt nur wenige Informationen über die Wirksamkeit von Videoüberwachung, allerdings besteht dieses Problem nicht nur im Zusammenhang mit Überwachung von Schulen. 
  • Der Größte Vorteil von Videoüberwachung in Schulen scheint die Tatsache zu sein, dass dadurch Fälle von Sachbeschädigung und Vandalismus zurückgehen (was Kosten einspart), allerdings macht dies aus der Schule noch keine sicherere Umgebung für Kinder. 

Evaluation einer Maßnahme

  • Es gibt zwei verschiedene Wege eine Maßnahme zu beurteilen. Man kann dabei entweder der Frage nachgehen “Verringern Trainings, Mediation oder Videoüberwachung die Auftretenshäufigkeit von SBV?“ oder der Frage wie diese funktionieren.
  • Der einzige Interventionsansatz, der behauptet erfolgreich zu sein ist der von Olweus, der nebenbei bemerkt jedoch nie unabhängig repliziert wurde.

Thema 4: Die Rolle europäischer Institutionen bei der Prävention von SBV.

  • Eine europäische Politik hätte den Vorteil, dass die Implementation von nationalen Gesetzen beschleunigen könnte, im Besonderen solche die zu spät kommen um SBV anzugehen.
  • Internationale Initiativen, wie Netzwerke, Kooperationen Projekte etc. könnten andere dazu inspirieren, andererseits aber in Anbetracht ihrer Fülle auch davon abschrecken ähnliche Maßnahmen ins Leben zu rufen..
  • Ein Führer für die vielen verschiedenen Austauschprogramme für Jugendliche, die es auf europäischer Ebene gibt wäre ebenfalls sehr nützlich.



 


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