Konferenzbericht (Kurzfassung)

Coping with School Bullying and Violence Using the Internet

Internationale Onlinekonferenz für Anbieter von Websiten zum Thema Bullying und Gewalt an Schulen, 4. Mai – 3. Juni 2005

Inhalt

In diesem Kurzreport über die Onlinekonferenz “Coping with School Bullying and Violence Using the Internet” finden Sie eine kurze Beschreibung der Konferenz und einige Hintergrundinformationen. Darauf folgt eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Ergebnisse. Detailliertere Informationen über die Konferenz, ihren Ablauf und ausführliche Ergebnisse finden Sie im vollständigen (englischsprachigen) Bericht.

Die Onlinekonferenz – einige Hintergrundinformationen

Die Onlinekonferenz “Coping with School Bullying and Violence Using the Internet” war die erste von insgesamt fünf Online-Konferenzen im Rahmen des Projektes VISIONARIES-NET. Einen Überblick über das Projekt VISIONARIES-NET und Informationen über die weiteren vier Online-Konferenzen finden Sie unter www.bullying-in-school.info

Die Zielgruppe der ersten Konferenz waren Vertreter von Webseiten zum Thema Bullying und Gewalt in der Schule (SBV ). Eine Liste aller Teilnehmer und Moderatoren mit weiteren Informationen finden Sie unter conference.bullying-in-school.info/index.php .

Das Hauptziel aller fünf Konferenzen lag darin, Experten im Bereich Bullying aus der ganzen Welt zusammenzubringen und mit Hilfe des Internets miteinander zu vernetzen, um somit auch räumlich weit voneinander entfernten Personen die Möglichkeit zu geben, sich untereinander auszutauschen und voneinander zu lernen.

Das spezielle Ziel der ersten Konferenz war es, Vertreter von Webseiten zusammenzubringen und mit ihnen zusammen Fragen zu diskutieren wie:

  • Wie kann das Internet helfen gegen SBV vorzugehen?
  • Wo liegen die Chancen, Möglichkeiten und Herausforderungen aber auch die Grenzen des Mediums Internet?
  • Welche interkulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden sich bei den jeweiligen Internetangeboten unterschiedlicher Länder?

Über die Konferenz wurde es den Teilnehmern ermöglicht, sich mit anderen Anbietern von Webseiten zum Thema SBV aus der ganzen Welt auszutauschen und so über Länder und Kulturen hinweg ein Netzwerk von Experten zu knüpfen. Auf diesem Wege konnte erfahren werden, wie in anderen Teilen der Welt über SBV gedacht und damit umgegangen wird. Nicht zuletzt hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, von Kollegen, die sich mit gleichen oder zumindest ähnlichen Problemen und Herausforderungen konfrontiert sehen, zu lernen und von ihren Erfahrungen zu profitieren.

Konzept und Vorgehensweise

Die Konferenz wurde in einem asynchronen Forum abgehalten, zu dem nur die eingeladenen Teilnehmer Zugriff hatten. Dieses Forum war für einen Zeitraum von 4 Wochen, jeweils 24 Stunden am Tag zugänglich, so dass die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt sich jederzeit in die Diskussion einbringen konnten.

Da die Teilnehmer als die eigentlichen Experten zum Thema Gewalt und Mobbing in der Schule angesehen wurden, wurden diese schon bei der Auswahl der zur Diskussion gestellten Themen mit einbezogen. Jeweils zu Beginn einer Woche erhielten die Teilnehmer einen kurzen Fragebogen mit Fragen zu den vorab festgelegten Themen der Woche. Die Antworten der Experten wurden daraufhin inhaltsanalytisch ausgewertet und dienten als Anfangspunkte bei der Formulierung der Diskussionsfragen in den einzelnen Threads zu den jeweiligen Themen der Woche. Innerhalb der einzelnen Diskussions-Threads konnten die Experten nochmals über ihre eigenen Antworten und die ihrer Kollegen reflektieren und darauf aufbauend weiter diskutieren. Dieser mehrstufige Prozess kann als eine Variante der so genannten Delphi-Methode betrachtet werden, die dann bevorzugt eingesetzt wird, wenn es darum geht, noch weitgehend unerforschte Forschungsgebiete und Fragestellungen mit Hilfe einer Expertengruppe anzugehen.

Für jede Woche war ein eigenes “Thema der Woche” vorgesehen, mit jeweils 3 bis 4 Unterthemen, die in separaten Threads zur Diskussion gestellt wurden. Diese Threads wurden allerdings nicht – wie ursprünglich geplant – am Ende der jeweiligen Woche geschlossen, sondern bei reger Beteiligung 1 bis 2 Tage länger offen gelassen, um keine interessanten Diskussion abrupt abzubrechen. In einem Off-Topic-Bereich konnten die Teilnehmer über Themen diskutieren, die zwar im weiteren Sinne mit dem Thema der Konferenz zusammenhingen, aber nicht zu den Fragestellungen in den jeweiligen Hauptdiskussionen passten.

Ergebnisse der Konferenz

Im folgenden werden in Kurzform einige ausgewählte Ergebnisse der Diskussionen vorgestellt. Eine ausführliche Darstellung ist in dem – englischsprachigen – Conference Report (url …………) zu finden.

Thema 1: Wie kann man mit Hilfe des Internets mit Bullying und Gewalt in der Schule umgehen?

Ergebnisse der Delphi-Befragungen

  • Wenn es darum geht, mit Bullying und Gewalt in der Schule umzugehen, bietet das Internet einige Vorzüge gegenüber der persönlichen Kommunikation oder der Kommunikation über andere Medien. So ist es zum Beispiel möglich, über das Internet schnell, einfach, und vergleichsweise preisgünstig an Informationen zu kommen, es bietet die Möglichkeit, auf eine umfassende Menge an Informationen zuzugreifen und gleichzeitig auch die Möglichkeit, Informationen zu verbreiten. Nicht zuletzt bietet es Betroffenen den Schutz der Anonymität bei der Suche nach Informationen und erleichtert die Kommunikation. 
  • Das Internet hat allerdings auch Grenzen und Nachteile beim Umgang mit Bullying und Gewalt: Es gibt große Unterschiede in der Qualität der dargebotenen Informationen; das Internet selbst kann – z.B. über so genanntes Cyberbullying – dazu beitragen, selbst zum Medium werden, über das Angriffe und Bedrohungen erfolgen; die Anonymität des Internet birgt ferner das Risiko, dass falsche Personengruppen Zugriff zu Informationen, aber auch zu Foren und Mailinglisten etc. bekommen; schlussendlich ist sicherlich kontraproduktiv, wenn das Internet der einzige Weg ist, auf dem Opfer und deren Angehörige Unterstützung erhalten.
  • Personen und Personengruppen, die vom Online-Resourcen über Bullying und Gewalt in der Schule profitieren sind z.B: Personen, die ähnliche Probleme haben, Personengruppen mit einem guten sozioökonomischen Hintergrund und  Gruppen, die mit dem Internet vertraut sind. Im Einzelnen also Lehrer, Eltern und Schüler auf die die oben genannten Bedingungen zumindest teilweise zutreffen.
  • Personen, die von diesen Onlineressourcen nicht profitieren sind z.B. Gruppen, die aufgrund ihres soziökonomischen Hintergrunds keinen Zugriff zum Internet haben oder aber auch solche Gruppen, die bereits auf anderem Wege Hilfe und Lösungen gefunden haben.

 Internet und SBV : Die Situation in unterschiedlichen Ländern

  • Nicht in allen Ländern, die bei der Konferenz vertreten waren, stößt das Thema Gewalt und Bullying an Schulen auf ein breites öffentliches Interesse.
  • Das Angebot an Webseiten zum Thema Gewalt und Bullying in der Schule ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Dies ist auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen, wie z. B. den Entwicklungsgrad eines Landes, die Internet-Infrasturktur oder auch die Größe eines Landes.
  • In den meisten Ländern fehlt es an einer Vernetzung der vorhanden Webseiten über SBV.

Allgemeine versus spezfische Seiten über SBV: was brauchen die User?

  • Mehrere Konferenzteilnehmer plädierten für eine gemeinsame, internationale „Modell-Webseite“ mit grundlegenden Informationen über Bullying, Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Besonders der Vorschlag bezüglich einer großen internationalen Webseite traf auf große Zustimmung.
  • Trotz aller Vorzüge einer übergreifenden, internationalen Webseite zeigte die Diskussion auch einen Bedarf an eher spezifischen Webseiten auf, die in ihrem Angebot stärker auf eine bestimmte Zielgruppe, Kulture, Problemstellung oder gar auf eine einzelne Schulen fokussiert sind.

Was macht eine gute Webseite über SBV aus?

  • Die Faktoren, die eine gute Webseite über SBV ausmachen sind nach Meinung der Diskussionsteilnehmer prinzipiell die gleichen Faktoren, die auch sonst eine gute und effektive Website ausmachen.
  • Im Laufe der Diskussion wurden eine Reihe von Ideen und Vorschlägen aufgelistet zu der Frage, an welchen Stellen man Qualitätskriterien ansetzen kann Genannt wurden hier u.a. die Startseite, die Seitennavigation, die Orientierung auf eine bestimmte Zielgruppe hin, die Adminstration und Glaubwürdigkeit einer Seite, die verschiedenen Unterkategorien, die zu einer Seite über SBV gehören könnten und die interaktiven Elementen einer solchen Seite, die den Usern die Möglichkeit geben, sich zu äußern und sich mit anderen Usern auszutauschen.

Wie können User von den Vorteilen des Internets profitieren?

  • Einige Ideen waren mit der Frage verknüpft, wie man eine Webseite möglichst effektiv bewerben kann: Geäußert wurden hier z.B. das Verbreiten von Flugblättern und Plakaten, das Erstellen von Onlinebannern und deren Verbreitung auf anderen Webseiten, Pressemeldungen und Kontaktaufnahmen mit den Medien, die Nutzung von Strategien, die zu einem höheren Ranking in Suchmaschinen führen und das Herstellen von Verbindungen mir großen kommerziellen Organisationen.
  • Die zweite wichtige Frage in diesem Thread beschäftigte sich damit, was Anbieter von Webseiten unternehmen können um sicherzustellen, dass die User die Qualität von Informationen richtig einschätzen können. Hier wurden als Vorschläge genannt, Informationen lediglich aus zuverlässigen Quellen zu beziehen und diese Quellen auch immer anzugeben.

Thema 2: Informationseiten über SBV

Ergebnisse der Delphi-Befragungen

  • Im Internet werden verschiedene Arten von Information über SBV angeboten, wie zum Beispiel Präventions- und Interventionskonzepte, Tipps und Ratschläge, Dokumente und Materialen, News, Links, Befragungen, etc.
  • Es existieren mehrere Probleme, Grenzen und auch Gefahren des Mediums Internet beim Angebot von Informationen über SBV: Qualität der Informationen, Fehlinformationen, die unüberschaubare Menge an Informationen, die Dominanz bestimmter Arten von Informationen, die Kompetenz, der im Internet agierenden Berater, das Fehlen von Ratschlägen, länderspezifische Probleme und der Mangel an Informationen, die speziell auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind.
  • Strategien, die dazu beitragen könnten, solche Probleme, Grenzen und Gefahren zu vermindern sind u.a. Portale, Onlinecommunities und – Netzwerke oder das gezielte Verweisen von Usern an Experten oder Selbsthilfegruppen.

Zielgruppenorientierung von Webseiten

  • Es werden verschiedene Webseiten für unterschiedliche Zielgruppen – Lehrer, Schüler, Eltern – benötigt, da jede dieser Gruppen andere Probleme in Zusammenhang mit SBV haben und entsprechend unterschiedlich mit diesen Problemen umgehen und diese auch sprachlich unterschiedlich formulieren.
  • Viele Anbieter von Webseiten wissen nicht, wer ihre User sind. Sie agieren folglich nicht selten „blind“ und bieten Inhalte an, die an den Usern der Seite vorbeigehen.
  • Angemessene Methoden, um herauszufinden wer die User einer Seite sind wären beispielsweise Fragen auf der Startseite, Umfragen oder Gästebücher.

Die Qualität von Informationen über SBV im Internet

  • Während in anderen Forschungsfeldern, wie zum Beispiel bei gesundheitsrelevanten Informationen im Internet, Diskussionen über die mangelnde Qualität der Informationen einen breiten Raum einnehmen, gibt es im Bereich von Online-Angeboten zum Thema SBV eine solche Diskussion bisher nicht.

  • Zwar wurden falsche oder irreführende Informationen über SBV von den Diskussionsteilnehmern nicht als ein zentrales Problem angesehen, es wurde aber auf den repetitiven Charakter von Webseiten hingewiesen, die nicht selten und häufig unreflektiert,  Informationen von anderen Seiten kopieren, sich nur wenig mit ihren eigenen Usern befassen und somit gerade betroffenen Kindern nicht die Hilfe bieten, nach der diese suchen.
  • Oftmals werden Informationen über SBV einfach von großen, englischsprachigen Seiten kopiert, was zu Problemen führen kann, wenn bestimmte Informationen länderspezifischer Natur und nicht einfach auf das eigene Land übertragbar sind.
  • Um derartige Probleme vermeiden zu können, bedürfte es einer internationalen Zertifikationsgruppe, die nach bestimmten Kriterien die Qualität einer Webseite bewertet und diese mit einem Gütesiegel versieht.

Thema 3: Kommunikation und Selbsthilfeseiten über SBV

Foren über Bullying und Gewalt an Schulen

  • Faktoren die dazu führen könnten, dass ein Forum nicht funktioniert sind z.B.: Mangelnder Bekanntheitsgrad, schlechte oder nicht vorhandene Moderation, schlechte Strukturierung, mangelnde Qualität der Informationen oder mangelndes Vertrauen der User in das Forum.
  • Folgende Maßnahmen könnten dazu beitragen, dass ein Forum besser funktioniert: Mehrere kleine Foren zu einem großen Forum vereinigen, den Ausdruck “Opfer” vermeiden, für bestimmte Zielgruppen kleinere, geschlossene Konferenzen anbieten, ein „Peer-Support“-System anbieten, in dem die Betroffenen sich gegenseitig helfen können.
  • Die Sicherheit der User kann in einem Forum nie zu 100% garantiert werden. Trotzdem gibt es einige Strategien, die die Sicherheit der User zwar nicht vollständig garantieren, jedoch aber zumindest erhöhen können. Folgende Strategien wurden im Laufe des Diskussion genannt: Moderation des Forums, passwortgeschützte geschlossene Foren, geschützte Foren, in denen die User eine geringe Gebühr entrichten müssen um sich zu registrieren, Fragebögen oder kurze Anmeldeformulare für neue User, bevor ihnen Zugang zum Forum gewährt wird, persönlicher Emailkontakt mit einem Moderator als Vorraussetzung für den Zugang zum Forum oder persönliche Chats entweder mit dem Moderator oder anderen erfahrenen Mitgliedern des Forums.

Cyberbullying

  • Cyberbullying ist eine relative neue Erscheinung, die in vielen westlichen Ländern – wie z. B. Neuseeland, Australien, Kanada oder den Vereinigten Staaten – bereits stark diskutiert wird, wohingegen das Phänomen in anderen Ländern – wie Portugal oder Deutschland – noch weit weniger stark von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
  • Gründe für die unterschiedliche starke Beachtung dieses Phänomens in den unterschiedlichen Ländern könnten sein, dass die breite Öffentlichkeit in vielen Ländern noch nicht von Cyberbullying gehört hat, weil die Medien das das Problem noch nicht thematisiert haben, eventuell auch weil es in der Landessprache keinen Begriff für die Erscheinung gibt.




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